Technik, Einsatz & Coaching-Praxis

 

Die Griffhaltung ist eine der zentralen Grundlagen im Tennis. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie der Ball getroffen wird, welche Rotation entsteht und wie stabil ein Schlag unter Druck bleibt. Bereits kleine Veränderungen am Griff können große Auswirkungen auf Technik und Spielverhalten haben.

Grundsätzlich gilt:

👉 Es gibt keinen „perfekten Griff“, sondern nur einen situations- und spielertypabhängigen optimalen Griff.


Grundprinzip:
Das Bevel-System verstehen

Ein moderner Tennisschlägergriff hat 8 Kanten (Bevels).

Die Position des Zeigefingergrundgelenks (Indexknöchel) bestimmt den Griff.

👉 Alle Griffvarianten lassen sich als Rotation entlang dieser Kanten verstehen – ein entscheidender Punkt im Coaching.


1. Kontinentalgriff (Continental Grip)

 

Technik

  • Hand liegt auf der schrägen Griffkante

  • Vergleichbar mit einem „Hammergriff“

Einsatzbereiche

  • Aufschlag

  • Volley

  • Slice

  • Schmetterball

Charakteristik

  • neutrale Schlagfläche

  • hohe Kontrolle bei kurzen Reaktionszeiten

  • wenig Topspin möglich 

Coaching-Bewertung

👉 Basisgriff für Übergangsspiel und Aufschlagtechnik

👉 Unverzichtbar im modernen Tennis – aber nicht mehr für die Vorhand geeignet


 

2. Eastern-Griff (Vorhand)

 

Technik

  • Hand liegt auf der 3. Griffkante

  • „Handshake-Griff“

Einsatzbereiche

  • klassische Vorhand

  • flache bis leicht topspinorientierte Schläge

Charakteristik

  • ausgewogene Mischung aus Kontrolle und Tempo 

  • ideal für mittelhohe Treffpunkte

Coaching-Bewertung

👉 Optimaler Einstiegsgriff

👉 Sehr gut für Technikaufbau und saubere Schlagentwicklung


 

3. Semi-Western-Griff

Technik

  • Hand leicht weiter unter dem Griff (ca. 4. Kante)

Einsatzbereiche

  • moderne Vorhand

  • Topspin-Spiel von der Grundlinie

Charakteristik

  • fördert Aufwärtsbewegung und Topspin 

  • hohe Fehlertoleranz bei aggressivem Spiel

Coaching-Bewertung

👉 Moderner Standard im Leistungstennis

👉 Ideal für Spieler, die mit Spin und Sicherheit arbeiten


 

4. Western-Griff

Technik

  • Hand weit unter dem Griff (ca. 5. Kante)

Einsatzbereiche

  • extreme Topspin-Vorhand

  • besonders effektiv auf Sandplätzen

Charakteristik

  • sehr hohe Rotation und Absprunghöhe 

  • zwingt zu starkem „Low-to-High“-Schwung

Nachteile

  • Probleme bei tiefen Bällen

  • eingeschränkte Vielseitigkeit

Coaching-Bewertung

👉 Spezialgriff für bestimmte Spielertypen

👉 Im Nachwuchsbereich nur gezielt einsetzen


 

Zwischenformen: Realität im Training

 

In der Praxis existieren selten „reine“ Griffpositionen.

👉 Häufige Varianten:

  • leicht geschlossener Eastern

  • moderater Semi-Western

  • Semi-Kontinentalgriff (z. B. für Slice) 

➡️ Griffe sind ein Kontinuum, kein starres System.


 

Didaktik & Methodik im Training

 

1. Griff nicht isoliert unterrichten

Der Griff beeinflusst:

  • Treffpunkt

  • Schwungweg

  • Körperposition

👉 Deshalb immer im Kontext der gesamten Bewegung schulen


 

2. Einsteiger vs. Fortgeschrittene

 

Einsteiger:

  • Eastern-Griff bevorzugen

  • Fokus auf Technikstabilität

 

Fortgeschrittene:

  • Entwicklung Richtung Semi-Western

  • Anpassung an Spielstil und Platzbelag


3. Typische Fehlerbilder

  • falscher Griff beim Volley → zu große Ausholbewegung

  • Vorhand mit Continental → kein Topspin

  • zu extremer Griff → Timingprobleme


 

Fazit für die Praxis

  • Der Griff ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug

  • Moderne Entwicklung geht klar Richtung Semi-Western

  • Dennoch bleibt der Kontinentalgriff unverzichtbar

  • Erfolgreiches Coaching bedeutet:

    👉 Griff + Bewegung + Situation als Einheit zu verstehen