Ein unterschätzter Schlüssel für gute Schläge
Wenn man sich Spitzenspieler auf der ATP- oder WTA-Tour anschaut, fällt schnell auf: Gute Schläge beginnen fast immer mit guter Beinarbeit und der richtigen Fußstellung. Viele Spieler konzentrieren sich stark auf die Schlagbewegung des Arms – dabei entsteht ein Großteil von Stabilität, Timing und Schlagqualität über die Position der Beine.
In der Praxis unterscheidet man im modernen Tennis vor allem drei grundlegende Schlagstellungen:
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die offene Stellung
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die halb offene Stellung
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die geschlossene Stellung
Alle drei haben ihre Berechtigung und werden je nach Spielsituation eingesetzt.
1. Die offene Stellung (Open Stance)
Die offene Stellung ist im modernen Tennis sehr häufig zu sehen, besonders bei schnellen Grundlinienduellen.
Dabei stehen beide Füße relativ parallel zur Grundlinie, und der Körper bleibt beim Schlag eher zum Netz ausgerichtet. Diese Stellung ermöglicht es, schnell zu reagieren und nach dem Schlag wieder in die Ausgangsposition zurückzukehren.
Typische Spielsituationen:
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wenn ein Spieler weit nach außen zum Ball laufen muss
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bei schnellen Rallys von der Grundlinie
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wenn wenig Zeit für eine komplette Körperdrehung bleibt
Gerade bei Vorhandschlägen nutzen viele Profis diese Stellung, weil sie es erlaubt, viel Energie über Rotation aus Hüfte und Rumpf zu erzeugen.
2. Die halb offene Stellung (Semi-Open Stance)
Die halb offene Stellung ist eine Mischform zwischen offener und geschlossener Stellung. Der vordere Fuß steht leicht in Richtung Netz, während der hintere Fuß eher parallel zur Grundlinie bleibt.
Diese Stellung bietet eine gute Kombination aus:
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Stabilität
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Rotation
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Vorwärtsbewegung
Sie wird häufig genutzt, wenn der Spieler aktiv Druck aufbauen möchte.
Typische Spielsituationen:
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Angriffsschläge von der Grundlinie
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Inside-Out-Vorhand
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Inside-In-Vorhand
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Situationen, in denen man Zeit hat, sich etwas besser zum Ball zu positionieren
Viele Trainer auf der Profitour sehen diese Stellung als eine der vielseitigsten Schlagpositionen im modernen Tennis.
3. Die geschlossene Stellung (Closed Stance)
Die geschlossene Stellung ist eine eher klassische Schlagposition, die besonders dann verwendet wird, wenn sich der Spieler nach vorne zum Ball bewegt.
Dabei steht der vordere Fuß deutlich vor dem hinteren Fuß, und der Körper ist stärker seitlich zum Netz ausgerichtet.
Diese Stellung ermöglicht es, stabil nach vorne durch den Ball zu gehen und gleichzeitig eine klare Gewichtsverlagerung von hinten nach vorne zu nutzen.
Typische Spielsituationen:
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bei kürzeren Bällen, die man nach vorne angreift
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bei Annäherungsschlägen (Approach Shots)
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häufig auch bei Rückhandschlägen
Gerade wenn Spieler ans Netz nachrücken wollen, sorgt die geschlossene Stellung für mehr Kontrolle und eine klare Bewegung in Richtung Angriff.
Trainerperspektive aus dem Profitennis
Auf der Tour sieht man immer wieder: Es gibt nicht die eine perfekte Fußstellung. Gute Spieler zeichnen sich vielmehr dadurch aus, dass sie die richtige Stellung zur richtigen Situation wählen.
Deshalb liegt im modernen Training ein großer Fokus auf:
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dynamischer Beinarbeit
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schneller Anpassung an verschiedene Ballpositionen
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Balance und Stabilität im Schlag
Je besser ein Spieler seine Füße positioniert, desto einfacher wird der eigentliche Schlag.
Oder anders gesagt:
Der Arm schlägt den Ball – aber die Füße bereiten den Schlag vor.