Wer heute mit Kindern Tennis trainiert, arbeitet mit dem Play-&-Stay-Konzept. Dieses Ausbildungsmodell wurde vom Weltverband International Tennis Federation (ITF) entwickelt und später vom Deutscher Tennis Bund in die Trainerausbildung und den Kinderwettkampf integriert.
Die Grundidee ist simpel:
Kinder sollen von Anfang an Tennis spielen können – auf einem Feld und mit Bällen, die zu ihrer Körpergröße passen.
Früher: Kleine Kinder auf einem Erwachsenenfeld
Vor der Einführung von Play & Stay war es üblich, dass Kinder direkt auf dem normalen Tennisfeld gespielt haben:
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mit gelben Standardbällen
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über ein Netz mit 91,4 cm Höhe
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auf einem 23,77 Meter langen und 8,23 Meter breiten (Einzel-) Feld
Für Erwachsene sind diese Abmessungen perfekt. Aus der Perspektive eines sechs- oder siebenjährigen Kindes wirken sie dagegen riesig.
Das Problem mit den normalen Tennisbällen
Ein weiteres Problem waren die klassischen gelben Tennisbälle. Für Kinder entsteht durch das Spielen mit diesen Bällen ein technisches Problem: Der Ball ist schnell und springt sehr hoch ab. Dadurch wird der Ball spät getroffen und der Treffpunkt liegt oft zu hoch – häufig über Schulterhöhe.
Wenn Kinder ständig Bälle auf Schulterhöhe spielen müssen, passen sie ihre Technik automatisch an. Das führt häufig dazu, dass sie mit der Zeit einen sehr extremen Vorhandgriff entwickeln. Typischerweise entsteht dabei ein extremer Westerngriff.
Kurz gesagt:
Die Technik passt sich dem Problem an – statt dass das Training an das Kind angepasst wird.
Die Idee hinter Play & Stay
Genau hier setzt das Play-&-Stay-Konzept an. Die Entwickler haben sich eine zentrale Frage gestellt:
Wie kann man Tennis so verändern, dass es für Kinder sofort optimal spielbar ist?
Die Lösung bestand aus drei Anpassungen:
- Durch druckreduzierte, langsamere Bälle
- Kleinere Spielfelder
- Niedrigere Netze
Dadurch entsteht eine Umgebung, die besser zur Körpergröße und Bewegungsfähigkeit von Kindern passt.
Die vier Stufen des Play-&-Stay-Systems
Das System besteht aus vier Entwicklungsstufen:
- Blau – Einstieg / Ballschule
- Rot – Kleinfeld
- Orange – Midcourt
- Grün – Großfeld
Mit jeder Stufe wachsen Feldgröße, Ballgeschwindigkeit und Anforderungen.
Stufe 1 – Blau: Bewegung und Ballgefühl
In der blauen Stufe geht es zunächst um die Grundlagen der Bewegung.
Kinder lernen:
Werfen, fangen, rollen, schlagen, reagieren.
Viele Trainer orientieren sich hier an der sogenannten Ballschule, die vielseitige Bewegungsformen fördert.
Die Ziele dieser Phase sind:
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Koordination
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Rhythmusgefühl
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Auge-Hand-Koordination
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Bewegungsfreude
Stufe 2 – Rot: Kleinfeldtennis
Roter Tennisball
Merkmale dieser Stufe:
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sehr weiche Bälle (ca. 75 % druckreduziert)
- Ball ist größer
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kleines Spielfeld
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niedrigeres Netz
Durch die langsamen Bälle entstehen richtige Ballwechsel.
Kinder lernen:
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den Ball zu kontrollieren
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Richtung zu spielen
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erste Punkte auszuspielen
Stufe 3 – Orange: Midcourt
Oranger Tennisball
Im nächsten Schritt wird das Spielfeld vergrößert. Das sogenannte Midcourt-Feld ist etwa drei Viertel so groß wie ein normales Tennisfeld.
Die Bälle sind jetzt:
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schneller als rote Bälle
- haben die Größe eines normalen Tennisballs
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etwa 50 % druckreduziert
Stufe 4 – Grün: Übergang zum Großfeld
Grüner Tennisball
Die grüne Stufe ist der letzte Schritt vor dem normalen Tennisball. Hier wird bereits auf dem kompletten Tennisfeld gespielt. Der Ball ist nur noch etwa 25 % druckreduziert.
Viele Trainer lassen Kinder ein bis zwei Jahre mit grünen Bällen spielen, bevor sie vollständig auf den normalen Ball wechseln.
Warum das System aus Trainersicht so gut funktioniert
Im täglichen Training merkt man schnell, welche Vorteile das Konzept hat: Kinder haben sofort Erfolgserlebnisse. Weil Ball und Feld angepasst sind, entstehen lange Ballwechsel schon in den ersten Stunden. Das motiviert enorm.
Fazit: Tennis, das zur Körpergröße der Kinder passt
Das Play & Stay-Konzept passt sich optimal an die Körpergröße und die motorischen Fähigkeiten von Kindern an. Durch langsamere Bälle, kleinere Spielfelder und niedrigere Netze können Kinder heute deutlich früher, erfolgreicher und mit mehr Freude Tennis lernen. Genau das ist das wichtigste Ziel guter Nachwuchsarbeit.
Natürlich spielt dabei auch der Trainer eine entscheidende Rolle – mit seiner Art zu unterrichten, seiner Fachwissen und seinem Gespür für Kinder. Ein Dozent von mir hat es einmal treffend formuliert: Im Training mit Kindern geht es darum, „ein Miteinander zu schaffen – um dann mit Respekt gegeneinander anzutreten.“ Auf diesen wichtigen Gedanken zur Arbeit im Kindertraining gehe ich in einem eigenen Tennis Insights Beitrag in Kürze noch genauer ein.